Mittwoch, 10. April 2013

Empfehlung: der Märchenerzähler.

Seit längerem habe ich mal wieder ein Buch gelesen, welches mich voll und ganz in seinen Bann gezogen hat. An dessen Geschichte ich im Laufe des Tages immer mal wieder denken musste und die mir abends zuflüsterte: "Mach die Glotze aus! Geh' ins Bett! Lies weiter!". Ich habe mich nicht lange bitten lassen, denn ich habe jeden Abend darauf gebrannt, endlich weiterlesen zu dürfen.




Es geht um Abel, den alle nur den polnischen Kurzwarenhändler nennen, weil er jeden Tag in den Pausen auf dem Schulhof steht, die Hände in den Taschen vergraben, seine Ohren mit weißen Ohrstöpseln verschlossen. Und es geht um Anna. Eine gute Schülerin, die in ihrer Freizeit Querflöte spielt und sich mit ihrer Freundin Gitta trifft.

Eines Tages spricht Abel mit Anna. 

Von diesem Zeitpunkt an klebt Anna an Abels Lippen, denn Abel ist ein Märchenerzähler. Sie treffen sich, meist zusammen mit Abels kleiner Schwester Micha und Abel erzählt und erzählt. Von der kleinen Königin, dem Rosenmädchen, von dem Schiff mit den schwarzen Segeln, vom Leuchtturmwärter und der schlafenden Katze, der alles egal ist. Zusammen tauchen sie ab in diese Märchen-Fanatsie-Welt, die schön, aber auch sehr bedrohlich ist, denn die kleine Königin ist auf der Flucht.

Parallel findet die Realität statt. Es geht im Drogen, um Mord, Mißbrauch, Vertrauen, Allein-sein, Zusammen-sein, um Häuser mit blauer Luft und tristen Wohnungen in Wohnblocks. Es geht ums Abi, ums Sorgerecht und den Kampf gegen die Vergangenheit. 

Der Märchenerzähler soll ein Jugendbuch sein, empfohlen ab 14 Jahren. Dem kann ich nicht ganz zustimmen. Ja, es geht um zwei 17-jährige und deren Alltagsprobleme, aber es geht noch um viel mehr, um grausame Dinge, die mich teilweise sehr bedrückt haben. Einer 14jährigen würde ich dieses Buch auf keinen Fall schenken. Aber vielleicht kenne ich auch einfach zu wenig 14jährige Mädels, um zu wissen, was die heute vom Leben wissen und was nicht. Hätte ich dieses Buch mit 14 gelesen, es hätte mich sicherlich ziemlich mitgenommen und lange Zeit nicht losgelassen.

Mein Fazit: absolut lesenswert (so ab 17 vielleicht!) ;-)

Liebe Grüße, Bine





Kommentare:

  1. Hallo,

    ich fand das Buch und seine Botschaft furchtbar. Ich bin nicht der Meinung, alles ist verzeihbar.

    LG
    Charlotte

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  2. Hach - ich hab das Buch zur Zeit als Hörbuch laufen und bin bisher schwer angetan - die Situation im Bootshaus hat das allerdings etwas zerstört... ich bin auf das Ende gespannt, deshalb hab ich mal nicht deinen Bericht gelesen ;-) hinterher weiß ich was, was ich noch nicht wissen wollte :-D Ich meld' mich dann nochmal ...
    Ganz liebe Grüße,
    Alexandra

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  3. Das klingt total gut! Bin jetzt sehr gespannt darauf, es selbst mal zu lesen :D
    Alles Liebe!

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  4. Eines der Besten, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Es ist sehr schmerzhaft und so nachvollziehbar. Diese Ohnmacht, die Anna verspürt. Ein Thema, das mich auch schon lange beschäftigt: Man will helfen, aber die Lebensumstände machen es unmöglich. DANKE für diesen Tipp

    Christine

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  5. Danke für den Tip.
    Ein wirklich tolles Buch. Ich konnte kaum aufhören zu lesen, da es mich sehr gefesselt hat. Auch wenn das Ende nicht so ist, wie man es die ganze Zeit gehofft hat, obwohl man eigentlich relativ schnell weiß, dass es so kommen muss, aber man will es wirklich nicht wahrhaben...
    Ich finde aber auch, dass dies definitiv kein Buch für 14jährige ist.
    LG
    Kristina

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