Freitag, 5. Juni 2015

Buchempfehlung: "Altes Land" von Dörte Hansen

Gestern in einem Rutsch durchgelesen: 
"Altes Land" von Dörte Hansen
Vera Eckhoff lebt im Alten Land, einem für seine Obstbäume weit über die Grenzen Hamburg bekanntem Landabschnitt der Elbmarsch. Doch richtig angekommen, geschweige denn anerkannt wurde sie von der Dorfgemeinde nie, denn vor über sechzig Jahren kam sie auf der Flucht aus Preußen mit ihrer Mutter, der starrköpfigen Hildegard von Kamcke, auf den Hof der Bäuerin Ida Eckhoff und blieb. Auch nachdem ihre Mutter diesem ganzen für sie unter aller Würde erscheinenden Landleben den Rücken zugewandt hatte und ins feine Blankenese gezogen war. Eines Tages steht ihre Enkelin Anne mit ihrem kleinen Sohn Leon vor der Tür, so wie sie damals mit ihrer Mutter, geflohen nach ihrer gescheiterten Beziehung und genauso verloren und entwurzelt wie sie damals...

Ein wunderschönes Buch. 
Erzählt wird jede Geschichte, die sich ergibt: die von Vera und ihrer Mutter, von Ida, die ihren Sohn gebrochen aus der Kriegsgefangenschaft zurück bekommt. Von den Nachbarskindern, die unter dem betrunkenen Vater leiden und ihren jetzigen eigenen Kindern, die sich entscheiden müssen zwischen "Bleiben oder Gehen". Die ihre Höfe plötzlich umlagert sehen von Touristen und Aussteigern, die im Alten Land ihr Glück in Biohöfen und hausgemachten Marmeladen suchen und doch nie dazu gehören werden. Von Anne und  Leon, die sich nach ihrer Flucht aus Ottensen mit seinen Vollwertmüttern auf einmal im Dorfkindergarten wiederfinden, wo es keine Eingewöhnungszeit gibt, weil man das eben schon immer so macht. Man möchte viel mehr über alle erfahren, noch mehr Geschichten hören von damals, die das Haus nachts flüstert, wenn alle schlafen und jede Person noch besser kennen lernen. Und das ist auch der einzige Kritikpunkt an diesem Buch: es ist einfach zu kurz! Und doch reichen die knapp 300 Seiten, um sich hineinversetzt zu fühlen in das Leben der Bauern damals, die Flucht der Mutter aus Masuren, die Zerrissenheit von Anne und die ständige Schlaflosigkeit von Vera, weil nachts die Gespenster kommen, die schon immer im Haus gelebt haben.

Kommentare:

  1. Ich fand das Buch auch so schön! Gerne hätte ich noch weiter gelesen.
    Grüßle
    Ursel

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  2. das klingt o richtig gut :)
    Ich glaueb ich hab eine neue Lektüre gefunden :)

    Viele liebe Grüße

    Franzy

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  3. Ich mag das Buch auch sehr.
    Mehr auf meinem Blog:
    http://die-linkshaenderin.blogspot.de/2015/05/gelesen-altes-land-von-dorte-hansen.html

    Liebe Grüße,
    Henriette

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