Dienstag, 13. September 2016

"Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen" von Ulla Scheler

Vom Suchen, Finden, Aufgeben und Loslassen: 

Auf der einen Seite haben wir Hanna, Abiturientin und klar strukturiert. Sie weiß genau, was sie nach dem Abitur will: studieren in einer fremden Stadt, lange geplant und davon wird nicht abgewichen. Und auf der anderen Seite steht Ben, ihr bester Freund seit frühester Kindheit. Der aneckt, anders ist, Graffiti sprüht und Gedichte liest. Dessen Vater sich umbrachte und dadurch etwas in ihm zerbrach. Zwischen ihnen war schon immer diese besondere Verbindung, schon immer schaffte es nur Ben, Hanna aus der Reserve zu locken, sie ihre Grenzen austesten zu lassen, sich aus der Sicherheit der Normalität zu bewegen und zu gucken, was passiert. Und so kommt es, dass Ben Hanna nach der Abiturfeier herausfordert, einfach so mit ihm in seinem klapprigen Auto ans Meer zu fahren, ausgestattet nur mit dem Nötigsten. Die Tage sind zunächst unbeschwert: Lagerfeuer, das Meer, Möwen, Sonnenuntergänge, Freiheit. Doch Ben beschäftigt etwas, tief drinnen in ihm gibt es etwas, dass er nicht bereit ist zu teilen. Etwas, dass ihn verändert hat und ihn immer wieder über seine Grenzen treten lässt. Und je mehr Hanna versucht, ihn zu verstehen, umso mehr verschließt er sich. 

"I dare you!"
Die Worte hingen in der Luft zwischen uns, entwickelten ihren Sog. 
Springen oder verlieren. Springen oder verlieren.
 
Die Geschichte zwischen Ben und Hanna ist viel mehr als eine Liebesgeschichte, die steht auch gar nicht so im Vordergrund, wie man vielleicht nach mancher Besprechung des Buches denken könnte. Es ist vielmehr eine Geschichte über die eigenen Möglichkeiten, über das Loslassen, sich Fallenlassen, Vertrauen. Was passiert, wenn man einfach mal nur macht statt erst zu  planen. 
Mich hat das Buch sehr beeindruckt, zum einen weil Ulla Scheler noch so jung ist und schon so kraftvoll schreibt und zum anderen, weil es einen unheimlich zum Denken über das eigene Leben und die eigenen, vielleicht auch verpassten Möglichkeiten herausfordert. 

"Früher hatte ich dieses Spiel oft gespielt. Manchmal mitten in der Nacht. Nachdem ich ein Buch beendet hatte und die Helden noch neben mir saßen, hatte ich meine Tasche gepackt, mich vor die Tür gesetzt und in die Dunkelheit gestarrt. Wenn ich nur lange genug dort warten würde, dann würde das Abenteuer vorbeilaufen und mich mitnehmen."

Kommentare:

  1. ...herzlichen Dank, das scheint die perfekte Urlaubslektüre zu sein und ist schon auf dem Kindle,

    liebe Grüße Birgitt

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  2. Was für eine berührende und liebevoll geschriebene Rezension. Vielen lieben Dank für den Tipp und einen guten Tag dir

    Livia

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  3. Brillante Rezi, die mit liebevollen Elementen gespickt ist.

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  4. Eine tolle Präsentation der Bücher. Hut ab!

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