Dienstag, 22. November 2016

"Salz für die See" von Ruta Sepetys

So ein tolles Buch:

1945 steht Ost-Preußen kurz vor der Evakuierung, die russische Armee drängt immer mehr in das Land, doch die Nazis glauben noch immer stur an den Endsieg, die Bevölkerung auf ihren Höfen, Gutshäusern und in den Dörfern schon längst nicht mehr. Endlose Flüchtlingstrucks beherrschten die Straßen, überall herrscht Hunger und der eiskalte Winter tut sein Übriges. Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe von Flüchtlingen, die sich als Zweckgemeinschaft zusammen gefunden haben, um sich zur Ostseeküste durchzuschlagen, genauer gesagt nach Gotenhafen im besetzen Polen. Denn dort lagern mehrere ehemalige Vergnügungsschiffe, die die aus Preußen fliehenden Menschen nach Deutschland bringen sollen.
Joanna, bereits 1941 aus Lettland geflohen, hält die Gruppe zusammen. Sie ist ausgebildete Krankenschwester und hilft und verarztet, wo sie kann. Der Schuster und der kleine Streuner, der seine Großmutter auf dem langen Weg verloren hat, sind ebenfalls Teil ihrer Gruppe. Dazu stossen im Laufe der Geschichte noch Florian, dessen Rolle in diesen letzten Kriegstagen zunächst geheimnisvoll bleibt und Emilia, eine 15jährige Polin, die ebenfalls vor den herannahenden Russen flieht. Zusammen machen sie sich auf den Weg, um die Wilhelm Gustloff zu reichen, die sie nach Kiel bringen soll. Zu viele Menschen mit zu viel Gepäck, zu wenig Platz, zu wenig Rettungsboote und in der Tiefe der Ostsee lauern russische U-Boote.

"Ich lernte, mich zu verstellen. Ich wurde so gut darin, dass die Grenze zwischen Wahrheit und Erfindung zu verschwimmen begann. Und manchmal, wenn ich mich richtig gut verstellte, konnte ich sogar mich selbst täuschen."

Eine teilweise schwer zu lesende Geschichte. Grauenvoll, erschreckend, brutal ist es den Menschen auf ihrer Flucht ergangen. Und dennoch lesenswert, denn nur so bleibt diese furchtbare Zeit in Erinnerung. Ich musste das Buch zwischendurch immer wieder aus der Hand legen, entweder um zu verarbeiten, was ich gerade gelesen hatte oder um weitere Informationen im Internet zu suchen, um diese Zeit umfassender zu verstehen. 

Unbedingte Leseempfehlung!

PS:
Wer noch mehr zu diesem Thema lesen möchte, dem empfehle ich die Bücher von Marion Gräfin Dönhoff, die selbst per Pferd über das gefrorene Haff aus Ostpreußen floh, die Sturmzeit-Trilogie von Charlotte Link, eine Familiengeschichte ab 1914, "Das Lied der Stare nach dem Frost" von Gisa Klönne oder "Altes Land" von Dörte Hansen, wobei die Flucht aus Ostpreußen hier nur sehr kurz angerissen wird.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen